Eigentlich wirkt es recht unscheinbar, das Wort „gelegentlich“. Kaum jemand würde ihm eine besondere Bedeutung zuschreiben. Ist es doch nicht „ständig“ und nicht „nie“. Es ist eben „hin und wieder“, wirkt wie ein unsicherer Gefährte. Doch das Wort „gelegentlich“ hat neben dieser eine weitere Bedeutung. Wer sie kennt, gehört sicherlich zu einer kleineren Gruppe. Das allein lässt aufhorchen. Erfahre im folgenden Artikel, warum „gelegentlich“ gelegentlich zu überraschen weiß.
Die übliche Verwendung von „gelegentlich“
Ich muss gestehen, dass ich das Wort „gelegentlich“ favorisiere, wenn es im Sinne von „hin und wieder“ steht. Andere Vertreter aus der Gruppe der Synonyme von „gelegentlich“ wirken meines Erachtens nicht besonders elegant. Dabei denke ich an „ab und zu“ und „manchmal“. Die Alternative „dann und wann“ ist heutzutage recht selten zu hören und schon allein deshalb ebenso schön wie unser Wort „gelegentlich“. Aber wie sieht „gelegentlich“ im Satz aus? Schauen wir uns passende Beispiele an:
- Ich gehe gelegentlich ins Kino.
- Gelegentlich muss ich mal vorbeischauen.
- Hast du früher auch gelegentlich Bilder gemalt?
Bis hierhin ist das Wort den meisten Menschen bekannt. Allerdings ist die Geschichte des Wortes noch nicht auserzählt, da es für „gelegentlich“ eine zweite Bedeutung gibt.
„Gelegentlich“ wird zu „anlässlich“
In der gehobenen Sprache zeigt das Wort „gelegentlich“ eine weitere, heute seltener verwendete Bedeutung. Neben dem vertrauten „hin und wieder“ kann es auch „bei Anlass von“ bedeuten.
In dieser Verwendung steht „gelegentlich“ meist mit dem Genitiv:
- Gelegentlich der Weihnachtsfeier legte sie sich ein Kostüm zu.
- Gelegentlich des Jubiläums hielt sie eine Rede.
Für viele wirkt „gelegentlich“ in diesen Sätzen ungewohnt, da es vor allem mit der Bedeutung „manchmal“ verbunden wird. Ersetzt man es jedoch durch „anlässlich“, wird die Struktur deutlicher:
- Anlässlich der Weihnachtsfeier legte sie sich ein Kostüm zu.
- Anlässlich des Jubiläums hielt sie eine Rede.
Zwei unterschiedliche Wortarten
„Gelegentlich“ als Alternative für „hin und wieder“ gehört einer anderen Wortart an als „gelegentlich“ im Sinne von „anlässlich“.
Merke:
Wenn „gelegentlich“ „manchmal“ bedeutet, ist es ein Adverb.
Wenn „gelegentlich“ „anlässlich“ bedeutet, gehört es zu einer präpositionalen Wendung (mit Genitiv).
Warum „gelegentlich“ wichtig ist
Du kennst nun die beiden Bedeutungen von „gelegentlich“. Außerdem weißt du, dass „gelegentlich“ in der Bedeutung „bei Anlass von“ vor allem in der gehobenen Sprache vorkommt und auch in der Schriftsprache begegnen kann.
Nun könntest du dich fragen, weshalb eine selten gebrauchte Bedeutung überhaupt erwähnenswert ist.
In der deutschen Sprache finden sich bei genauerem Hinsehen viele Wörter mit Bedeutungen, die im Alltag kaum noch bewusst wahrgenommen werden. Ein Beispiel ist das Wort „indessen“, das nicht nur „in der Zwischenzeit“ bedeutet.
Solche eher unbekannten Bedeutungen wirken oft wie aus der Zeit gefallen, kommen aber gelegentlich in der Amts- oder gehobenen Sprache vor. Gerade deshalb lohnt es sich, sie genauer zu betrachten.