Zwei kleine Wörter, zahlreiche Diskussionen. Die Rede ist von seid und seit. Relativ unscheinbar wirken sie, fast schon langweilig. Geht es jedoch um ihre Unterscheidung, löst sich die eben genannte Langeweile rasch auf. An ihre Stelle treten hitzige Debatten über das Richtig und das Falsch in der Rechtschreibung. Nach dem folgenden Beitrag möge sich das einstige Chaos in Luft aufgelöst haben.
Zwei Wörter und ihre unterschiedlichen Funktionen
Sie mögen ähnlich aussehen, doch ihre Funktionen unterscheiden sich grundlegend. Werfen wir zunächst einen genaueren Blick auf das Wort seit.
Betrachten wir dazu zwei Beispiele:
- Seit er sich auf seine Intuition verlässt, ist er weitaus zufriedener.
- Seit Montag befindet er sich im Urlaub.
Worin liegt der Unterschied?
Im zweiten Satz verweist seit auf einen konkreten Zeitpunkt: den Montag. Von diesem Zeitpunkt an befindet sich die betreffende Person im Urlaub.
Anders verhält es sich im ersten Satz. Hier folgt auf seit kein konkreter Zeitpunkt, sondern ein vollständiger Nebensatz. Dennoch bleibt die Grundbedeutung erhalten: Seit bezeichnet den Beginn eines Zustands oder Geschehens, der bis in die Gegenwart oder den im Satz beschriebenen Zeitpunkt reicht. Seit dem Moment, in dem er begonnen hat, sich auf seine Intuition zu verlassen, ist er weitaus zufriedener.
Ein weiteres Beispiel verdeutlicht diesen Zusammenhang:
Seit sie die Fahrerlaubnis hat, fühlt sie sich weitaus unabhängiger.
Ebenso könnte man formulieren:
Sie fühlt sich weitaus unabhängiger, seit sie die Fahrerlaubnis hat.
An der Bedeutung ändert sich dadurch nichts. Lediglich die Satzstellung ist eine andere. In beiden Fällen besteht das Satzgefüge aus einem Hauptsatz und einem Nebensatz. Im ersten Beispiel eröffnet der Nebensatz den Satz, im zweiten folgt er dem Hauptsatz.
Nun weißt du, dass seit nicht immer dieselbe Funktion erfüllt. Hinter der scheinbar unscheinbaren Wortform verbergen sich vielmehr zwei unterschiedliche Wortarten.
Leitet seit einen Nebensatz ein, handelt es sich um eine Konjunktion:
Seit er sich auf seine Intuition verlässt, ist er weitaus zufriedener.
Steht seit hingegen in Verbindung mit einer nominalen Ergänzung, gehört es zu den Präpositionen:
- seit Sonntag
- seit Ostermontag
- seit Weihnachten
Ob Konjunktion oder Präposition – die grundlegende Bedeutung bleibt unverändert. Seit zeigt den Beginn eines Zeitraums, eines Zustands oder eines Geschehens an.
Weitaus unkomplizierter verhält sich das kleine Wörtchen seid. Es gehört zu den Verben und ist die konjugierte Form von sein in der 2. Person Plural im Präsens (ihr seid).
Kurzer Test mit großer Wirkung
Regeln ohne Training machen wenig Sinn. Daher sollst du hier die Gelegenheit erhalten, das Gelernte anzuwenden. Nimm dir einen Stift und ein Blatt Papier und notiere deine Lösungen zu den folgenden Aufgaben. Unterhalb der Aufgaben findest du die Lösungen.
1. Sei_ wir das Bücherregal gekauft haben, erfreue ich mich am Anblick meiner gesammelten Werke.
2. Ich bin sei_ gut einem halben Jahr auf der Suche nach meinem Schlüssel.
3. Sei_ ihr gut im Hotel angekommen?
4. Ihr sei_ heute zu spät zum Unterricht erschienen – hoffentlich habt ihr eine gute Erklärung.
Lösungen: 1) seit; 2) seit; 3) seid; 4) seid